22. April 2026

Premium-Ganzjahresreifen liegen im ADAC-Test 2025 erstmals gleichauf mit Winterreifen. Aber nicht für jedes Fahrprofil ist das die bessere Wahl.
Die einfache Antwort "Ganzjahresreifen sind immer schlechter" hält 2026 nicht mehr stand. Im ADAC-Ganzjahresreifentest 2025 (24. Juni 2025) bekamen erstmals vier Modelle das Urteil "gut", und der Testsieger Continental AllSeasonContact 2 bremst auf nasser Fahrbahn aus 80 km/h sogar minimal kürzer als der beste Winterreifen Goodyear UltraGrip Performance 3.
Trotzdem fielen vier von 16 getesteten Ganzjahresreifen mit "mangelhaft" durch. Dieser Artikel ist ein ehrliches Update unserer früheren Empfehlung. Mit den frischen Test- und Klimadaten aus 2025/26 wird klar: Pauschalurteile bringen niemanden weiter. Es kommt darauf an, welches Modell du kaufst, in welcher Region du wohnst und wie viel du fährst.

Premium-Ganzjahresreifen sind 2025 so gut wie nie. Im ADAC-Ganzjahresreifentest erreichten erstmals vier Modelle die Note "gut": Continental AllSeasonContact 2, Goodyear Vector 4Seasons Gen-3, Pirelli Cinturato All Season SF3 und Bridgestone Turanza All Season 6. Der Continental bremste auf nasser Fahrbahn aus 80 km/h in 31,3 Metern, also 0,4 Meter kürzer als der Top-Winterreifen Goodyear UltraGrip Performance 3 mit 31,7 Metern (ADAC-Winterreifentest, 23. September 2025). Auch auf festem Schnee schlug sich der Continental im ABS-Bremstest aus 30 km/h mit 9,2 Metern gut, der Goodyear-Winterreifen kam auf 9,7 Meter. Die zwei Tests fanden in unterschiedlichen Reifendimensionen statt, ein 1:1-Vergleich ist daher nur eingeschränkt möglich. Der Trend ist trotzdem klar: Der Abstand schmilzt.
Auch beim Spritverbrauch hat sich das alte Argument erledigt. Stiftung Warentest 2025 misst für einen Kompaktwagen mit den besten Ganzjahresreifen rund 5,4 Liter auf 100 Kilometer, etwa 0,3 Liter niedriger als mit der klassischen Sommer-Winter-Kombination.
Gleichzeitig bleibt der Markt brutal zweigeteilt. Im selben ADAC-Test 2025 fielen vier von 16 Modellen mit "mangelhaft" durch, darunter Arivo Carlorful A/S und Petlas Multi Action PT565. Die Bremsweg-Spreizung auf nasser Fahrbahn betrug 11,3 Meter zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen. Während der Continental schon steht, fährt der schlechteste Reifen noch mit über 40 km/h. Wer am Reifen spart, kauft sich ein konkretes Sicherheitsrisiko.
Spezialisierte Saisonreifen vs. Ganzjahresreifen. ADAC-Tests 2025, Größe 225/45 R17. Wer einen Reifen für die jeweilige Saison fährt, hat auch gegen den Ganzjahres-Testsieger noch einen messbaren Sicherheitsvorsprung.

In der Summe der Disziplinen schlagen Premium-Saisonreifen die beste Ganzjahres-Konkurrenz trotzdem messbar. Beim Aquaplaning, dem Aufschwimmen auf Wasserfilmen bei Starkregen, erreichen Premium-Sommerreifen Aufschwimmgeschwindigkeiten von rund 80 bis 85 km/h, während die besten Ganzjahresreifen schon bei 73 bis 78 km/h aufschwimmen (ADAC-Aquaplaning-Ratgeber und ADAC-Tests 2025). Die 5 bis 7 km/h Sicherheitsmarge sind auf der Autobahn bei Starkregen unmittelbar entscheidend.
Geschwindigkeit, ab der ein Reifen den Bodenkontakt verliert. Höher = sicherer bei Starkregen. ADAC-Tests 2025, Durchschnittswerte der Premium-Modelle.
Beim Trockenbremsweg aus 100 km/h liegt der beste Sommerreifen Continental SportContact 7 rund 4,8 Meter vor dem besten Winterreifen Michelin Pilot Alpin 5 (42,6 Meter, AutoBild Winterreifentest 2025). Das ist annähernd eine Pkw-Länge im Auffahrunfall. Auch die Laufleistung spricht für Saisonsätze: Der Premium-Winter Goodyear UltraGrip Performance 3 schafft laut ADAC-Prognose 76.500 Kilometer, der Premium-Ganzjahres Continental AllSeasonContact 2 nur 48.200 Kilometer.
ADAC-Laufleistungs-Prognose 2025. Premium-Winter hält etwa 58 Prozent länger als der Premium-Ganzjahres-Testsieger.
Selbst der ADAC empfiehlt differenziert: "Wer bei hohen Temperaturen, eventuell auch mit voller Beladung, in den Sommerurlaub fahren möchte oder in den Skiurlaub, wo mit schwierigen winterlichen Straßenbedingungen zu rechnen ist, sollte besser auf reine Sommer- und Winterreifen setzen" (ADAC-Pressemitteilung, 24. Juni 2025). Im Vielfahrer-Profil, bei sportlichen Fahrzeugen und an Steigungen im Bergwinter bleibt der Saisonsatz die qualitative Referenz.
Im Klimaprofil A (Alpen und Mittelgebirge wie Allgäu, Schwarzwald, Sauerland, Erzgebirge, Bayerischer Wald) bleibt der Saisonsatz alternativlos. Mit 75 bis 180 Schneedeckentagen pro Jahr (DWD- und LANUK-Klimadaten 1991 bis 2020) gewinnen Premium-Winterreifen hier jede sicherheitsrelevante Disziplin. Im Klimaprofil B (gemäßigt, 100 bis 400 Meter Höhe, 10 bis 25 Schneedeckentage wie München, Frankfurt, Stuttgart) ist der Saisonsatz weiterhin die qualitativ überlegene Wahl, besonders bei mehr als 12.000 Kilometer pro Jahr, geplantem Skiurlaub oder beladenem Sommerurlaub.
Im Klimaprofil C (mild, weniger als 10 Schneedeckentage wie Köln-Bonn-Bucht, Niederrhein, Oberrheingraben, Nordseeküste) sind die vier Premium-Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol eine ehrliche Alternative, sofern du unter 12.000 Kilometer pro Jahr fährst, keinen Skiurlaub planst und kein sportliches Fahrzeug bewegst. Auch der ADAC bestätigt, dass man "in milderen Gegenden ... auch mit einem guten Ganzjahresreifen gut beraten sein" kann (ADAC-Pressemitteilung, 23. September 2025).
Wirtschaftlich relativiert sich der oft kolportierte Spar-Mythos. Rechnest du den Wiederverkaufswert eines dokumentierten Zweitradsatzes und die kürzere Laufleistung des Ganzjahresreifens ein, schrumpft der Nettovorteil über acht Jahre und 120.000 Kilometer auf rund 100 bis 500 Euro im Tieflandprofil (eigene Modellrechnung auf Basis von BRV- und ADAC-Daten). Bei Vielfahrern kippt die Bilanz wieder zugunsten des Saisonsatzes, weil ein zweiter Ganzjahres-Satz vor Ablauf der acht Jahre fällig wird.
Und ein wichtiger letzter Hinweis: Der DWD meldete für den Winter 2025/26 den schneereichsten Winter seit 2012 in Schleswig-Holstein und Brandenburg (DWD-Pressemitteilung, 28. Februar 2026). Klimaprofile sind nicht statisch. Der eine schwere Wintertag tritt auch im milden Tiefland weiterhin auf. Wer beim Saisonsatz auf gebrauchte Komplettradsätze setzt, halbiert die Anschaffungskosten und macht die saubere Saisonlösung für die meisten Fahrprofile wieder klar überlegen.
Reicht das alte M+S-Symbol noch? Nein. Seit 1. Oktober 2024 verlangt § 36 Abs. 4 StVZO bei winterlichen Bedingungen das Alpine-Symbol, eine Schneeflocke in einem dreigipfligen Berg, abgekürzt 3PMSF (Three-Peak-Mountain-Snowflake). Reine M+S-Reifen ohne dieses Symbol sind in Deutschland nicht mehr wintertauglich.
Wird meine Kaskoversicherung gekürzt, wenn ich Ganzjahresreifen fahre? Nicht wegen der Ganzjahresreifen selbst, sofern sie das Alpine-Symbol tragen, dann ist der Reifen gesetzlich ein vollwertiger Winterreifen. Versicherungs-Risiko entsteht laut GDV bei Sommerreifen unter winterlichen Bedingungen; 2023 gab es bundesweit 172 Regressfälle wegen falscher Bereifung mit Regressforderungen bis 5.000 Euro (GDV-Zahlen via Bund der Versicherten, 2025).
Welche Ganzjahresreifen sollte ich 2025/26 meiden? Im ADAC-Ganzjahresreifentest 2025 (Größe 225/45 R17) fielen vier Modelle mit "mangelhaft" durch und gelten als Sicherheitsrisiko, darunter Arivo Carlorful A/S und Petlas Multi Action PT565. Der schlechteste Reifen brauchte auf nasser Fahrbahn 11,3 Meter mehr Bremsweg als der Testsieger Continental AllSeasonContact 2.
Wie alt darf ein Reifen sein? Der ADAC empfiehlt: Wintereigenschaften lassen nach sechs Jahren spürbar nach, spätestens nach acht Jahren sollte ein Reifen ersetzt werden. Das Alter erkennst du an der vierstelligen DOT-Nummer auf der Reifenflanke (zum Beispiel "2422" bedeutet 24. Kalenderwoche 2022).
Warum verschleißen Ganzjahresreifen schneller als Saisonreifen? Die Gummimischung muss zwei Aufgaben gleichzeitig lösen: weich genug für Wintergrip, hart genug für Sommerstabilität. Dieser Kompromiss kostet Laufleistung. Der Bundesverband Reifenhandel (BRV) bestätigt offiziell, dass Ganzjahresreifen "im Vergleich zum kombinierten Einsatz von Sommer- und Winterreifen in der Regel eine geringere Laufleistung haben" (BRV-Pressemitteilung, 20. März 2025).
Lohnt sich ein gebrauchter Komplettradsatz für die Saisonlösung? Für die Kompakt- und Mittelklasse oft ja: 200 bis 500 Euro Ersparnis pro Saisonsatz sind realistisch, wenn die Reifen jünger als sechs Jahre sind und ausreichend Restprofil haben (mindestens 4 mm bei Winterreifen empfohlen, gesetzliches Minimum 1,6 mm). Damit verschiebt sich die Wirtschaftlichkeitsrechnung deutlich zugunsten der Saisonlösung.
Die vier Premium-Ganzjahresreifen 2025 mit Note "gut" (ADAC-Test 225/45 R17, 24. Juni 2025):
Premium-Winterreifen 2025/26 (ADAC-Test 225/40 R18, 23. September 2025):
Klimadaten 1991 bis 2020 nach Schneedeckentagen pro Jahr (Quellen: DWD und LANUK Klimaatlas NRW):
Aktualität 2025/26: Trotz langfristigem Rückgangstrend meldete der DWD den schneereichsten Winter 2025/26 in Schleswig-Holstein und Brandenburg seit 2012. Klimaprofile sind nicht statisch. Auch im milden Tiefland tritt "der eine schwere Wintertag" weiterhin auf.
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